Aktuelles
Musik für die Seele
Junge Geflüchtete lernen in Heidelberg die Kraft der Musik kennen. Über das Projekt „Bridges“ unserer SRH University hat jetzt das SWR Fernsehen berichtet.
Musik hören macht Spaß, gemeinsam Musik machen noch viel mehr: Junge Geflüchtete können in Heidelberg mit der Musik die Sorgen des Alltags hinter sich lassen, Selbstbewusstsein tanken und so immer mehr in der neuen Heimat ankommen. Das ermöglicht das Projekt „Bridges“, das unsere SRH University in Heidelberg gemeinsam mit Partnern ins Leben gerufen hat.
In drei Heidelberger Flüchtlingsunterkünften werden musikalische Begegnungs- und Entfaltungsräume geschaffen. Das wöchentliche Angebot „Spielraum Musik“ lädt die Kinder und Jugendlichen dazu ein, Lieder aus ihren Herkunftsländern sowie aktuelle Hits zu singen und zu erleben. Darüber hinaus profitieren sie von individuellem Instrumentalunterricht sowie Bandworkshops, die ihre kreativen Fähigkeiten und sozialen Bindungen stärken.
Wie das aussieht, darüber hat der SWR in einem Fernsehbeitrag berichtet. Hier geht es zum Video (ab 23:23 Minuten).
Durch die Verbindung von Musiktherapie und Musikpädagogik unterstützt unsere SRH University mit „Bridges“ die psychische Gesundheit sowie die sozialen und emotionalen Kompetenzen der jungen Geflüchteten.

Bild: Prof. Dr. Alexander F. Wormit von unserer SRH University leitet das Projekt "Bridges".
„Dadurch sehen wir, wie wichtig Musik für die Gesundheit sein kann“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Alexander F. Wormit, Beauftragter für Forschung an der School of Health, Education and Social Sciences unserer SRH University. Um die Teilnehmenden mit ihren unterschiedlichen Fluchterfahrungen dabei trauma- und kultursensibel begleiten zu können, ist das Personal von Bridges therapeutisch und pädagogisch geschult.
Besondere Höhepunkte des Projekts sind die interkulturellen Konzerte, die viermal jährlich in Kooperation mit professionellen Musiker:innen u.a. im Heidelberger Karlstorbahnhof stattfinden. Diese Veranstaltungen bieten nicht nur eine Plattform für musikalischen Ausdruck, sondern fördern auch das gesellschaftliche Miteinander und die kulturelle Teilhabe.
Das Projekt wird vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union gefördert. Mehr zum Projekt: https://bridgesmusik.com/
(Danke an Miriam Schneider und Anna-Leona Bösl für die Unterstützung.)
Weil Musik Brücken baut
Teilnehmer des Projekts sowie Kinder aus Flüchtlingsunterkünften boten ein begeisterndes Konzert im Karlstorbahnhof.
Von Peter Wiest (05.02.2024)
Heidelberg. Es war total bewegend. Mitreißend und faszinierend. Es ging unter die Haut, und war absolut prickelnd. Am Ende war es ein in jeder Hinsicht begeisterndes Konzert und im besten Sinne des Wortes das, was der Name des Projektes "Bridges" impliziert: ein Brückenschlag.
Dies gleich in mehrfacher Hinsicht: Brückenschlag der Kulturen, der Nationalitäten, auch der Generationen. Und natürlich der Musik, wie sie in verschiedenen Ländern ja oft vordergründig unterschiedlich ist, aber dabei stets einen gemeinsamen Nenner hat: die Begeisterung beim Grenzen überschreitenden und damit längst nicht mehr nur musikalischen Miteinanders.
Das ist es auch, was "Bridges" ausmacht. Vor mittlerweile fast einem Jahrzehnt schlossen sich die Jazz-Sängerin Jutta Glaser und die Musiktherapeutin Cordula Reiner-Wormit mit dem Kulturhaus Karlstorbahnhof unter der damaligen Leitung von Ingrid Wolschin zusammen, um in einer Flüchtlingsunterkunft im Pfaffengrund mit den Bewohnern und insbesondere mit den Kindern dort zu musizieren. Der Erfolg gab ihnen recht. Mittlerweile ist "Bridges" etabliert und findet regelmäßig auch an zwei weiteren Flüchtlingsunterkünften in Rohrbach und in Kirchheim statt.
Mehr als Grund genug für "Bridges", an seinen Entstehungsort zurückzukehren zu einem Konzert im Karlstorbahnhof, wo am Samstagabend der Saal des Tik-Theaters bis über den letzten Platz hinaus besetzt war. Zu hören bekam das Publikum Musikerinnen und Musiker, die alle an den Veranstaltungen in den Flüchtlingsunterkünften beteiligt sind, aber in dieser Zusammensetzung bisher noch nicht aufgetreten sind. Im ersten Konzertteil widmeten sie sich zunächst einer Art Querschnitt der musikalischen Kulturen, wobei auch Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften mit auftraten und das Publikum dabei besonders begeisterten.
So eine junge Ukrainerin, deren Gesang beim Stück "Stefania" immer wieder für spontanen Applaus sorgte, ebenso wie drei heranwachsende Brüder, die beim eigens aus den Lieblingssongs der Flüchtlingskinder zusammengestellten Medley das spanische "Despacito" ebenso gekonnt wiedergaben wie "Komet" von Apache 207 und Udo Lindenberg. Die Musiker um die Sängerinnen Jutta Glaser und Diane Pitzer hatten ansonsten neben eigenen Stücken syrische, türkische, mazedonische und afrikanische Musik mitgebracht und waren auch ihrerseits hörbar begeistert bei der Sache.
Eigene Stücke der einzelnen Mitglieder der "Bridges"-Band" prägten dann den zweiten Konzertteil, wobei ganz unterschiedliche musikalische Facetten zum Ausdruck kamen. Bluesig angehauchte Songs etwa, bei denen insbesondere Gitarrist Sergio Rojas Sanz begeisterte, ebenso wie eher leise, aber melodiöse und eindringliche Stücke mit der Cellistin und Sängerin Elisa Herbig und dem Gitarristen Oliver Kuka. Immer wieder prägend das Saxofon von Noemi Hohberger, ebenso wie die gesangliche Brillanz von Zelia Fonseca, die gemeinsam mit Glaser beim Stück "O Sinha" den Saal zum Mitsingen brachte. Rhythmisch fundiert schließlich auch Gitarrist und Bassist Samuel Gracida und Percussionist Fernando Lyra, der spontan für den erkrankten Projektleiter und Schlagzeuger Alexander Wormit eingesprungen war. Kein Halten mehr gab es bei Publikum und Musikern am Ende dann bei "What the World needs now": Genau das braucht die Welt anscheinend, waren sich alle einig.
So oder zumindest ähnlich muss es auch sein, wenn die Kinder in den Flüchtlingsunterkünften zusammen musizieren. "Die Musik ist da", schallt es dort dann begeistert über den Hof, sobald einer der "Bridges"-Mitwirkenden auftaucht, wie vor dem Konzert zu erfahren war. Dann scharen sich die Jungen und Mädchen um die Musiker, und alle sind begeistert bei der Sache: Sowohl beim gemeinsamen Musizieren, das "Bridges" ihnen anbietet, als auch beim Einzelunterricht an Instrumenten oder bei einem Band-Workshop. "Schließlich gibt das allen Beteiligten auch ein Stück Heimat", ist dabei von verschiedener Seite immer wieder zu hören.
Das soll auch so bleiben. Unterstützt wird das Projekt mittlerweile vom Verein für interkulturelle Musik Metropolregion und vom Heidelberger Asylarbeitskreis. Und in Kooperation mit der SRH Hochschule hat es auch überregionale Anerkennung gefunden, seitdem es bei der Ferry Porsche Stiftung einen Fördermittelpreis in Höhe von 50.000 Euro gewann. Im Karlstorbahnhof soll es jedenfalls auch in Zukunft weitere "Bridges"-Konzerte geben.
Info: Spenden für das Projekt sind weiter willkommen und sollten unter dem Stichwort "Bridges" an den Karlstorbahnhof gehen. Mehr Infos unter www.karlstorbahnhof.de.

BRIDGES - Musik baut Brücken
Grenzen überbrücken.
Sprache überbrücken.
Vielleicht. Irgendwie. Ein bisschen. Ankommen.
Dieses Konzert erzählt von Begegnungen und vom Leben in drei Heidelberger Geflüchteten-Unterkünften und dem kontinuierlichen Versuch, trotz aller Um-, Auf- und Abbrüche Momente von Gemeinschaftlichkeit und Gehalten-sein entstehen zu lassen.
2015 schließen sich Jazz-Sängerin Jutta Glaser und Musiktherapeutin Cordula Reiner-Wormit mit dem Kulturhaus Karlstorbahnhof unter der damaligen Leitung Ingrid Wolschin zusammen, um unter dem Namen “Spielraum Musik - ein Stück Heimat” in
einer Heidelberger Geflüchteten-Unterkunft mit Bewohner*innen zu musizieren.
Das Projekt erweiterte und etablierte sich 2022 dank einer Förderung über “Auf!Leben” unter dem Projektnamen “Bridges” in zwei weiteren Unterkünften.
Neun Teammitglieder aus den Professionen Musiktherapie und -pädagogik sowie Musiker*innen, die in der Heidelberger Musikszene bekannt sind, wirken seitdem dort mit musikalischen Gruppen- und Einzelangeboten.
Das vielfältige BRIDGES Team präsentiert Stücke, der Bewohner*innen aus verschiedenen Ländern, zum aktiven Mitsingen wie auch zum Genießen, sowie eigene Kompositionen.
Mehr Infos zum Projekt: Homepage - Bridges (bridgesmusik.com)
BRIDGES Team
Jutta Glaser (Gesang)
Cordula Reiner-Wormit (Gesang, Gitarre, Harfe, Klavier)
Sergio Rojas Sanz (Gesang, Gitarre)
Samuel Gracida (Gitarre)
Elisa Herbig (Gesang, Cello)
Oliver Kuka (Gitarre)
Zelia Fonseca (Gesang, Gitarre)
Noemi Hohberger (Gesang, Saxophon)
Alexander F. Wormit (Schlagzeug)
Diane Jeeranut Pitzer (Gesang, Gitarre)
und Special Percussion Guests :)
"Bridges" will traumatisierten Flüchtlingen mit Musik helfen
Denn Musik kann eine Brücke sein. Niedrigschwelliges Angebot für geflüchtete Menschen.

Von Laura Kress (18.10.2023)
Heidelberg. Aus einer Bluetooth-Musikbox tönt "Wildberry Lillet", und zehn Kinder tanzen dazu im Kreis – bis Musiktherapeutin Cordula Wormit die Musik stoppt. Wer wackelt, verliert. Gemeinsam mit ihrer Kollegin und Traumapädagogin Diane J. Pitzer lädt Wormit jede Woche in die Pfaffengrunder Flüchtlingsunterkunft zum "Spielraum Musik" ein, einer Stunde voller Tanz und Gesang. Der Musikunterricht ist Teil des Projekts "Bridges" der SRH Hochschule, das im Juli den mit 50.000 Euro dotierten zweiten Platz der Ferry Porsche Challenge belegte.
Den Song der Rapperin Nina Chuba haben sich die Kinder selbst ausgesucht, im "Spielraum Musik" sind sie es, die über die Liedauswahl entscheiden. Das Ergebnis: eine bunte Mischung aus Liedern aus den jeweiligen Herkunftsländern der Kinder sowie Songs deutscher Sänger wie Tim Bendzko. Wormit begleitet den Gesang der Kinder auf ihrer Gitarre. Die spielen auf Trommeln und mit Rasseln.
Schon im Jahr 2015 hat Wormit gemeinsam mit Sängerin Jutta Glaser ihre Idee eines niedrigschwelligen Musikangebots für geflüchtete Menschen in die Tat umgesetzt – nicht nur in der Unterkunft im Pfaffengrund, sondern auch in Rohrbach und Kirchheim. Seit März haben sie sich mit der SRH Hochschule zusammengeschlossen, die sie vor allem organisatorisch unterstützt.
Das Problem, das Wormit und Glaser aber von Anfang an beschäftigte: die Finanzierung. Die Erleichterung über das Preisgeld der Ferry Porsche Stiftung war deshalb groß. Das Bridges-Team nutzte es etwa, um andere Angebote wie Bandproben, interkulturelle Konzerte sowie Einzelunterricht in verschiedenen Instrumenten voranzutreiben.
An erster Stelle steht für Wormit aber vor allem die Fortführung des "Spielraums Musik". "Die Kinder brauchen nach ihren teils traumatischen Fluchterfahrungen Kontinuität", sagt die Musiktherapeutin. Traumapädagogin Pitzer erklärt, dass manche Kinder noch immer in der Erinnerung an bestimmte Situationen gefangen seien.
"Durch die Musik versuchen wir, sie ins Hier und Jetzt zu holen." Um die Entwicklung der Kinder zu dokumentierten, fertigt Pitzer zu jeder Musikstunde ein Protokoll an, das sie anschließend mit ihrer Kollegin bespricht. Gerade diese Zusammensetzung aus musikalischer und pädagogischer Herangehensweise sei eine der Stärken des Projekts, findet Wormit.
Außerdem bringt der Musikunterricht die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft zusammen, was wegen der unterschiedlichen Kulturen, die dort aufeinandertreffen, nicht selbstverständlich ist. "Manchmal ist die Stimmung eher gedrückt, wenn wir ankommen. Nach und nach wird es dann aber gesellig", meint Wormit.
Und tatsächlich: Während zum Begrüßungslied nur fünf Kinder mit den Musiklehrerinnen im Stuhlkreis sitzen, sind es wenig später mehr als doppelt so viele. "Es ist nicht gerade Bullerbü, aber man kann es hier schön haben", sagt Wormit.
Gleichzeitig herrscht im "Spielraum Musik" ein großes Kommen und Gehen. Ein Teil der Kinder muss in seine Herkunftsländer zurückkehren; viele Familien schaffen es aber auch, sich in Heidelberg ein Leben außerhalb der Flüchtlingsunterkunft aufzubauen und in eine eigene Wohnung zu ziehen. "Wenn die Kinder nicht wiederkommen, bedeutet das meistens etwas Gutes", sagt Wormit. Manche von ihnen wechseln irgendwann in die Musikschule oder haben keine Zeit mehr, wenn sie in die Schule gehen. Wormit erklärt: "Das ist ja gerade die Idee von Bridges. Wir wollen Brücken bauen und eine Willkommenskultur vermitteln."
Integration durch Musik: Das Projekt Bridges der SRH Hochschule Heidelberg gewinnt 2. Platz bei der Ferry Porsche Challenge
Die Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro ermöglichen geflüchteten Menschen die Teilnahme an verschiedenen Musikangeboten in Heidelberg.

Die SRH Hochschule Heidelberg hat mit dem Projekt „Bridges" den zweiten Preis bei der Ferry Porsche Challenge gewonnen und erhält damit Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro. Das Projekt bietet geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Heidelberg Musikangebote. Sie können an Gruppenaktivitäten, Einzelunterricht und interkulturellen Konzerten teilnehmen. Das niedrigschwellige Angebot ermöglicht auch Geflüchteten ohne Deutsch- oder Englischkenntnisse die Teilnahme.
„Durch die Teilnahme an musikalischen Aktivitäten fördern wir nicht nur die sozialen und emotionalen Kompetenzen von Geflüchteten, sondern tragen auch zur Integration bei. Wir sind stolz darauf, dass unser Engagement durch die Unterstützung der Ferry Porsche Stiftung gewürdigt wurde. Damit können wir unser Projekt Bridges weiter ausbauen", sagt Projektleiter Prof. Dr. Alexander F. Wormit von der SRH Hochschule Heidelberg.
Das Projekt wird vom Bridges-Team vertreten durch Cordula Reiner-Wormit und Diane Pitzer gemeinsam mit dem Verein für Interkulturelle Musik Metropolregion e.V., und den weiteren Kooperationspartnern Karlstorbahnhof e.V., Caritas Heidelberg e.V. sowie Asylarbeitskreis Heidelberg e.V. durchgeführt. Neben dem wöchentlichem Gruppenangebot Spielraum Musik, bei dem Lieder (u.a. aus den Herkunftsländern oder Hits) gesungen und gehört werden, finden in insgesamt drei Heidelberger Flüchtlingsunterkünften regelmäßig Einzel- oder Kleingruppenunterricht für einzelne Instrumente, Gesang oder Songwriting sowie Bandworkshops statt. Viermal im Jahr organisiert das interdisziplinäre Bridges-Team öffentliche interkulturelle Konzerte zusammen mit professionellen Musiker:innen.
Unter dem Motto “Kultur schafft Teilhabe” wurden bei der Ferry Porsche Challenge insgesamt 50 Projekte prämiert, die den Zusammenhalt stärken und der Ausgrenzung entgegenwirken. Die Ferry Porsche Stiftung fördert und initiiert seit 2018 gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Soziales, Umwelt, Bildung und Wissenschaft sowie Kultur und Sport. Durch gesellschaftliches Engagement sollen junge Menschen an den Unternehmensstandorten unterstützt werden.